Wenn das Waschbecken nur noch langsam leerläuft oder die Spüle unangenehm riecht, steckt das Problem fast immer im Siphon oder direkt dahinter. Dort sammeln sich Haare und Fett und machen den Durchgang nach und nach enger. Hier erfahren Sie, wie Sie Siphon und Abflussrohr selbst sauber bekommen und welche Mittel tatsächlich etwas bringen – und ab wann ein Fachbetrieb ran muss.
Wie der Siphon als Geruchsverschluss funktioniert und warum er verstopft
Unter jedem Waschbecken und jeder Spüle steckt ein Siphon. Seine Hauptaufgabe ist das Abdichten. Im gekrümmten Abschnitt bleibt dauerhaft ein Rest Wasser stehen, und dieses Sperrwasser hält die Kanalgase davon ab, in Ihre Räume zu ziehen. Im Fachjargon heißt das Teil deshalb Geruchsverschluss. Bleibt ein Abfluss über Wochen ungenutzt, zum Beispiel im Gäste-WC oder im Keller, verdunstet das Wasser. Es stinkt dann, obwohl gar nichts verstopft ist (hier reicht schon ein Glas Wasser in den Abfluss).
Dieselbe Stelle, die Gerüche aufhält, sammelt leider auch Dreck. Im Bogen fließt das Wasser langsamer, und schwere oder klebrige Bestandteile bleiben liegen. Im Badezimmer sind es hauptsächlich Haare, die zusammen mit Seife und Duschgel einen zähen Pfropfen bilden. In der Küche ist meist Fett die Ursache: In der Pfanne hat Bratfett 140 bis 200 °C, im Rohr kühlt es rasch ab und erstarrt. Essensreste und Kaffeesatz kleben dann daran fest.
So wird das Rohr nach und nach enger
Kaum eine Verstopfung kommt plötzlich. In der Regel lagert sich über Monate Schmutz an der Rohrinnenwand ab, der Profi nennt das eine Verjüngung des Querschnitts. Zuerst fließt das Wasser nur ein bisschen träger ab, irgendwann steht es. In vielen Berliner Bezirken ist das Leitungswasser hart. Der Kalk reagiert mit Seifenresten zu Kalkseife, und die klebt besonders zäh an Siphon und Rohrwand. Reagieren Sie also schon beim langsamen Ablaufen, dann genügen meist einfache Hilfsmittel.
- Ein Haarsieb in Dusche und Waschbecken legen und es regelmäßig ausleeren
- Bratfett erkalten lassen, mit Küchenpapier aufnehmen und in den Restmüll werfen
- Den Siphon in der Küche etwa alle 1–3 Monate, im Bad alle 3–6 Monate aufschrauben
- Abflüsse, die kaum benutzt werden, alle paar Wochen kurz mit Wasser durchspülen
Leichte Verstopfungen direkt am Abfluss beseitigen
Schauen Sie erst von oben nach, bevor Sie zum Werkzeug greifen. Bei Waschbecken und Badewanne liegt die erste Engstelle gleich unter dem Stopfen. Viele Ablaufstopfen mit Zugstange kann man einfach herausziehen oder herausdrehen, bei einigen müssen Sie dafür vorher die Zugstange unter dem Becken lösen. Nicht selten hängt darunter bereits ein Knäuel Haare. In der Dusche nehmen Sie die Abdeckung vom Ablauf ab. (Praktisch sind schmale Kunststoffstreifen mit Widerhaken aus der Drogerie, damit holen Sie Haare aus dem oberen Rohrabschnitt.)
Sitzt Fett in der Küchenspüle, gießen Sie heißes Wasser mit etwas Spülmittel hinein, das löst die Fettreste an. Moderne Abflussrohre aus HT-Kunststoff halten dauerhaft rund 90 °C aus, für kurze Zeit auch mehr. Haben Sie alte PVC-Rohre oder wissen Sie nicht, wie alt die Installation ist, verwenden Sie besser sehr heißes Leitungswasser statt sprudelnd kochendem. Geben Sie das Wasser schubweise hinein, damit es Zeit zum Einwirken hat.
Hausmittel: Natron mit Essig, Backpulver und Essigessenz
Das bekannteste Hausmittel geht so: Ein paar Esslöffel Natron in den Abfluss geben, danach rund eine halbe Tasse Essig nachgießen. Die Öffnung kurz zudecken und nach einer halben Stunde mit heißem Wasser durchspülen. Es bildet sich CO₂, während sich Säure und Base gegenseitig aufheben. Die Wirkung ist also hauptsächlich mechanisch: Der Schaum lockert weiche Ablagerungen. Einen festen Haarpfropfen bekommen Sie damit aber nicht gelöst.
Backpulver wirkt vergleichbar. Weil es aber aus Natron, einem Säuerungsmittel und Trennmittel besteht, schäumt es weniger stark. Essigessenz ist zwar viel konzentrierter als normaler Haushaltsessig, im Abfluss bringt sie aber kaum mehr. Essigessenz kann bei häufiger Anwendung Gummidichtungen angreifen.
Verstopfte Spüle von Hand lösen: So nutzen Sie den Pümpel richtig
Wenn das Wasser schon im Becken steht, greifen Sie zum Pümpel, auch Saugglocke genannt. Er baut im Wechsel Druck und Sog auf und schiebt den Pfropfen so lange vor und zurück, bis er nachgibt. Das klappt allerdings nur bei einem dichten System, und genau hier geht es meistens schief.
- Den Überlauf am Becken mit einem nassen Lappen fest verschließen, sonst geht der Druck dort verloren
- Bei einer Doppelspüle den zweiten Ablauf mit Stopfen oder Lappen abdichten
- Genug Wasser im Becken stehen lassen, damit der Gummi der Saugglocke ganz bedeckt ist
- Die Glocke gerade aufsetzen, 10- bis 15-mal kräftig pumpen und anschließend mit einem Ruck abziehen
Hat sich nach zwei oder drei Anläufen nichts getan, steckt der Pfropfen in der Regel fest im Siphon oder weiter hinten. Bei älteren Siphons kann der Druck zudem die Verschraubungen lockern.
Den Siphon reinigen: die Anleitung Schritt für Schritt
Unter Waschbecken und Spüle sind die Siphons fast immer verschraubt und lassen sich ohne Spezialwerkzeug abnehmen. Ein Röhrensiphon hat die Form eines U- oder S-Bogens. Ein Flaschensiphon hat unten einen Becher zum Abschrauben, oft genügt es, nur diesen abzudrehen.
So bekommen Sie den Siphon sauber
- VorbereitungDen Unterschrank leer räumen, einen Eimer unter den Siphon stellen und ein Handtuch drunterlegen. Steht noch Wasser im Becken, schöpfen Sie es vorher mit einem Becher ab.
- Verschraubungen aufdrehenDie Überwurfmuttern am Ablaufventil und am Anschluss zur Wand per Hand gegen den Uhrzeigersinn lösen. Sitzen sie zu fest, nehmen Sie eine Wasserpumpenzange und legen ein Tuch dazwischen, damit der Kunststoff nicht reißt.
- Ausleeren und putzenDen Inhalt in den Eimer schütten und den Siphon an einem anderen Becken oder in der Dusche mit heißem Wasser und Spülmittel durchspülen. Festsitzende Beläge mit einer Flaschenbürste abschrubben.
- Dichtungen kontrollierenGummi- und Kegeldichtungen reinigen und auf Risse oder Verformungen prüfen. Spröde Dichtungen am besten direkt austauschen (die alte Dichtung in den Baumarkt mitnehmen, dann passt die neue sicher).
- Montieren und prüfenDen Siphon wieder ansetzen, die Muttern handfest anziehen und Wasser laufen lassen. Mit trockenem Papier alle Verbindungen auf Tropfen abtasten und notfalls eine Vierteldrehung nachziehen.
Bei Dusche und Badewanne sitzt der Siphon meist nicht erreichbar unter der Wanne oder im Estrich. Dann können Sie nur von oben über den Ablauf reinigen. Ist der Siphon sauber und das Wasser fließt trotzdem nicht ab, liegt die Verstopfung im Abflussrohr in der Wand.
Jenseits des Siphons: Rohrreinigungsspirale und Druckreiniger aus dem Baumarkt
Die Rohrreinigungsspirale richtig einsetzen
Die Rohrreinigungsspirale ist eine biegsame Stahlwelle mit Kurbel. Stecken Sie sie bei abgenommenem Siphon direkt in den Wandanschluss, denn durch den engen Siphonbogen kommt sie kaum. Schieben Sie die Spirale unter ständigem Drehen hinein, bis Sie auf Widerstand stoßen. Dann weiterkurbeln und sie leicht vor und zurück bewegen, damit sich der Kopf im Pfropfen festhakt oder ihn durchstößt. Anschließend gründlich mit warmem Wasser nachspülen. Bei alten Leitungen sollten Sie vorsichtig sein: Mit zu viel Kraft kann sich die Spirale verknoten oder spröde Rohre beschädigen.
Druckluftreiniger und Hochdruckschlauch
Im Baumarkt finden Sie zwei Sorten Druckreiniger für Abflüsse. Druckluft-Rohrreiniger funktionieren mit Handpumpe oder Kartusche und jagen einen kräftigen Luftstoß ins Rohr. Für Hochdruckreiniger gibt es Rohrreinigungsschläuche, deren Düse nach hinten spritzt und sich dadurch von selbst ins Rohr zieht. Beides kann klappen, im Haus stößt es aber schnell an Grenzen.
Der Hochdruckschlauch passt besser zu Hofabläufen und Außenleitungen als zum Waschbecken. Drinnen spritzt es schnell, und ein festsitzender Schlauch lässt sich nur mühsam wieder herausziehen. Bei einer professionellen Hochdruckspülung kommen Düsen zum Einsatz, die auf Rohr und Verschmutzung abgestimmt sind.
Abflussreiniger: lieber chemisch oder biologisch?
Chemischer Rohrreiniger aus dem Supermarkt ist in der Regel stark alkalisch und enthält häufig Natriumhydroxid. Er zerlegt organisches Material wie Haare und Fett und wird dabei warm. Das kann helfen, ist aber nicht ohne: Das Mittel ist ätzend und greift bei häufigem Gebrauch ältere Leitungen und Dichtungen an. Biologische Reiniger setzen auf Enzyme oder Mikroorganismen, die Ablagerungen nach und nach zersetzen.
Chemisch und biologisch im direkten Vergleich
Chemischer Rohrreiniger
- Wirkt zügig gegen organische Ablagerungen
- Ätzend: Handschuhe und Schutzbrille tragen
- Niemals mit anderen Reinigern kombinieren
- Setzt Dichtungen und älteren Rohren zu
- Danach nicht mit dem Pümpel arbeiten – es kann spritzen
Biologischer Abflussreiniger
- Zersetzt Ablagerungen über Stunden, idealerweise über Nacht
- Geht sanfter mit Rohren und Dichtungen um
- Eignet sich zur Vorbeugung bei trägem Ablauf
- Bei einem festen Pfropfen meist zu schwach
- Nicht gleich nach heißem Wasser verwenden
Aus der Praxis: Mechanisch vorzugehen ist fast immer der bessere Einstieg. Chemie sollten Sie höchstens einmal probieren und sich dabei genau an die Gebrauchsanweisung halten. Steht das Wasser danach immer noch, nennen Sie dem Fachbetrieb am Telefon unbedingt das Mittel, das im Rohr ist. Wer später Siphon oder Rohr aufmacht, muss das wissen.
Wo Selbermachen aufhört: wann ein Fachbetrieb in Berlin hilft
Einen verstopften Siphon haben Sie mit einem Eimer in ein paar Minuten wieder sauber. Liegt das Problem aber hinter der Wand, sieht die Sache anders aus. In zahlreichen Berliner Altbauten münden die Leitungen mehrerer Wohnungen in gemeinsame Fallleitungen. Verstopft es dort, sind schnell mehrere Haushalte betroffen. Wohnen Sie zur Miete, wenden Sie sich dann zuerst an die Hausverwaltung.
So finden Sie heraus, wo die Ursache liegt
| Anzeichen | Wahrscheinliche Ursache | Was tun |
|---|---|---|
| Nur ein Becken läuft langsam ab | Siphon oder kurzes Anschlussstück | Selbst reinigen wie beschrieben |
| Mehrere Abflüsse gleichzeitig träge | Sammel- oder Fallleitung | Fachbetrieb, im Mietshaus Hausverwaltung informieren |
| Waschbecken gluckert beim Spülen der Toilette | Engstelle oder Belüftungsproblem | Fachbetrieb prüfen lassen |
| Abwasser drückt im Kellerablauf hoch | Grundleitung verstopft oder Rückstau | Sofort Notdienst, Rückstausicherung prüfen |
| Verstopfung kehrt nach Tagen zurück | Ablagerungen oder Schaden tiefer im Rohr | Kanal-TV-Untersuchung |
AAA-Abfluss Rohrreinigungsfirma arbeitet seit 2019 in Berlin und Umgebung, auch für Hausverwaltungen. Zur eigenen Ausrüstung gehören eine Kamera zur Rohrinspektion sowie Hochdruckspülung und Fräse gegen hartnäckige Ablagerungen.
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